Elternschulung

​Wissenswertes über Ihr Baby

 

Ein auf Elternschulung basierendes Präventionsprojekt der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz, Klinische Abteilung für Neonatologie, und der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde Leoben

 
 
Verhütung von RS-Virus-ausgelösten Luftwegserkrankungen
Dies ist der eigentliche Grund für unsere Initiative; allein 1998 wurden 83 schwerkranke Säuglinge mit nachgewiesener RS-Virusinfektion stationär an der Kinderklinik Graz aufgenommen. Durch das Präventionsprojekt soll zumindest eine 50%-ige Reduktion erzielt werden.
 

Alle Neugeborenen und jungen Säuglinge neigen zum "Auffangen" von Infektionen der Luftwege und Lunge, und eine schwere Erkrankung (Bronchiolitis = Entzündung und Verstopfung der kleinen Atemwege) kann die Folge sein. Häufigster Erreger ist das RS (Respiratory Syncytial)-Virus. Es kommt zu Atemnot mit verlängerten Atempausen, quälendem Husten, "keuchender" Atmung und damit zur Aufnahme in einem Krankenhaus.

 
Die Übertragung des RS-Virus erfolgt durch direkten Kontakt mit infiziertem Sekret (keine klassische Tröpfcheninfektion) und ist damit prinzipiell vermeidbar. Gegen diese Erkrankungen besteht nur ein sehr geringer Nestschutz. Stillen schützt gegen einige Erkrankungen, hier jedoch nicht. Frühgeborene sind besonders gefährdet.
 
Die RS-Viruserkrankungen treten fast ausschließlich zwischen November und März auf. Bei Kindern über 2 Jahren laufen diese Erkrankungen als "banaler" Infekt mit harmlosem Schnupfen ab. Bei jungen Säuglingen kann die Erkrankung unter Umständen sogar lebensbedrohend sein.
 
Schützen sie deshalb ihr Baby - wenn möglich - vor Kontakt mit verschnupften, hustenden, fiebernden Kindern und Verwandten. Sollten Sie selbst betroffen sein, verwenden Sie einen in jeder Apotheke erhältlichen Mundschutz und waschen sie sich vor jedem Kontakt mit Ihrem Kind die Hände. Vermeiden Sie "Säuglingstourismus" (Partys, Kinobesuche, Cafés, Krabbelstube, etc.) und Menschenansammlungen (Supermärkte und öffentliche Verkehrsmittel). Schränken Sie Frequenz und Anzahl der Besuche ein. Spaziergänge im Freien, insbesondere bei schönem Wetter sind natürlich erlaubt und werden empfohlen.

Ihr Baby ist eine Persönlichkeit
Beobachten Sie Ihr Baby. Sie werden es bald selbst am besten beurteilen und in seiner individuellen Persönlichkeit und Kompetenz einschätzen können. Das Phänomen des Schreikindes oder der 3-Monats-Koliken ist seit langem bekannt und wurde immer auf Blähungen zurückgeführt. 10-30% aller gesunden Säuglinge haben Schreiattacken.
 
Heute weiß man, das Schreikinder wesentlich seltener auftreten, wenn Stress für das Baby minimiert und der Tagesablauf strukturiert wird. Weniger Reize, Vermeidung von Übermüdung Ihres Babys, Gewöhnung an einen bestimmten Rhythmus (Aufwachen, Stillen/Fläschchen, Wachphase, Schlaf), Ausnutzen von Wachphasen (Zwiegespräche, Spielchen), Überbrücken von kritischen Schreistunden durch Spazierengehen und Zeit für die Mutter zur eigenen Entspannung sind Anregungen zur Gestaltung des Tagesablaufes mit ihrem Baby. Patentrezepte für Einschlafhilfen gibt es keine. Am wichtigsten ist die Gewöhnung des Babys an eine bestimmte "Routine".

Stillen ist das Beste
Muttermilch ist die beste Ernährung in den ersten 6 Lebensmonaten. Sie verleiht einen guten Schutz gegen einige Infektionen (besonders Darminfektionen) und vermindert vorzeitiges Auslösen von Allergien. Wesentlich ist eine positive Einstellung mit dem Bewusstsein, dass nahezu jede Frau ihr Kind durch Stillen auch ausreichend ernähren kann. Eine Gewichtsabnahme bis zu 10 % des Körpergewichtes in den ersten Lebenstagen ist normal. Für die Mutter sind ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 l/Tag), ausgewogene Ernährung und Ruhe wichtige Faktoren für optimales Stillen. Das gesunde Baby bestimmt den Zeitpunkt und die Trinkmenge selbst. Zufuhr von Tee und bestimmter ergänzender Anfangsnahrungen ist prinzipiell nicht nötig. Sollten trotzdem beim Stillen Probleme auftreten, wenden Sie sich an die Stillberatungsstellen oder Ihren Arzt.
 
Wer stillt, sollte nicht rauchen. Rauchen macht die Milch bitter und vermindert die Milchmenge. Lesen sie bitte auch den aufliegenden "Leitfaden Stillen" der Steiermärkischen Krankenanstalten. Falls das Stillen nicht möglich ist, sollte eine Anfangsnahrung gegeben werden. Beachten sie bei der Zubereitung der Nahrung genau die Hinweise auf der Packung. Erst im 4.-5. Monat sollte mit der Einführung von Beikost begonnen werden. Zur Vorbeugung der Rachitis soll während des 1. Lebensjahres täglich 1 Tropfen Vitamin D3 direkt in den Mund gegeben werden.

Die Verdauung Ihres Kindes
Der erste Stuhl des Kindes ist schwarz und zäh und wird als "Kindspech" Mekonium bezeichnet. Erst danach kommt es zum Auftreten vom typisch gelblichen, teils geformten, teils flüssigen Frauenmilchstuhl von leicht säuerlichem Geruch. Geringes Spucken und Erbrechen sind bei Säuglingen häufig. Die Funktion des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen ist oft noch nicht ausgereift. Bei ausreichender Gewichtszunahme bessern sich diese Probleme spätestens bei Einführung von Beikost im 4.-5. Monat.
 
Bei massivem Erbrechen, Gewichts- oder Flüssigkeitsverlust sollten Sie unbedingt einen Kinderarzt oder Hausarzt aufsuchen. Blähungen sind ein häufiges Problem. Auch dieses Problem bessert sich im Laufe der ersten 4 Monate. Nach jeder Mahlzeit sollten Sie Ihrem Kind ausreichend Zeit zum Aufstoßen geben (ca. 30 Minuten)! Warme Bäder und Bauchmassage bessern die Beschwerden manchmal. Auch Fencheltee kann helfen. Wenn Sie stillen, sollten Sie blähende Nahrungsmittel vermeiden (Hülsenfrüchte, frisches Brot, kohlensäurehältige Getränke etc.).
 
Bei Flaschenernährung sollte das Saugerloch so groß sein, dass die Nahrung tropfenweise herausrinnt, wenn der Sauger nach unten gehalten wird. Die Temperatur der Nahrung überprüft man an der Innenseite des Handgelenkes.
 
Die Anzahl der Stühle kann beim voll gestilltem und sonst unauffälligem Baby variieren. 8x täglich bis einmal alle 8 Tage ist normal. Bei anhaltend schmerzhaftem und hartem Bauch, starkem Erbrechen oder Durchfall sowie blutigem Stuhl sollten Sie Ihren Kinderarzt oder Hausarzt aufsuchen. Sie sollten keine Manipulation mit dem Fieberthermometer oder Finger durchführen.

Haut- und Körperpflege Ihres Kindes
Anfänglich ist die Haut ihres Neugeborenen oft noch mit der sogenannten Käseschmiere bedeckt, die einen Schutz für die Haut darstellt und nicht entfernt werden muss. Trocken, schuppige Haut und lange Nägel sind ein Reifezeichen und häufiger bei Kindern, die schon über dem Geburtstermin waren.
 
Bei sehr vielen Neugeborenen tritt in den ersten Lebenstagen ein harmloser Ausschlag (Erythema toxicum) auf, der eine Umstellungsreaktion der Haut darstellt. Vor allem die Haut im Windelbereich ist anfällig für Rötung und Ausschläge. Benützen sie eine abdeckende Creme und wechseln Sie in regelmäßigen Abständen die Windel. Tägliches Baden ist nicht günstig, da es die Haut austrocknet (2-3x pro Woche ist ausreichend).
 
Bei unklaren und länger bestehenden Ausschlägen sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Pilzinfektionen (Soor) treten häufig bei jungen Säuglingen auf (weiße, nicht abwischbare Beläge im Mundbereich oder bläschenförmiger Ausschlag im Windelbereich). Sie bedürfen einer gezielten Therapie durch ihren Haus- oder Kinderarzt.
 
Kühle Extremitäten sind oft bei Neugeborenen und jungen Säuglingen zu beobachten. Schützen Sie den Kopf ihres Babys mit einer Haube vor kühler Luft und ihr Baby gegen direkte Sonneneinstrahlung. Die Nabelschnur fällt zwischen dem 4. Und 7. Tag ab. Nabelpflege mit Wasserstoff und bei Entzündungen mit Baneocinpuder wird empfohlen. Eine geringgradige Blutung aus dem Nabelgrund ist häufig und harmlos.

Plötzlicher Säuglingstod (SIDS)
Die Ursache für den plötzlichen Säuglingstod ist nicht bekannt. Man kann das Risiko mit folgenden Vorsichtsmaßnahmen jedoch deutlich reduzieren:
 
  • Rauchen Sie nicht in der Gegenwart des Kindes.
  • Überwärmen Sie Ihren Säugling nicht. Empfohlene Raumtemperatur im Schlafbereich beträgt 20°.
  • Vermeidung von Stress für Ihr Kind.
  • Vermeiden Sie die Bauchlage für Ihr Baby im Schlaf.
  • Säugling sollen nicht alleine gelassen werden. Eine Hörverbindung sollte immer bestehen (z.B.
    Babyphone).

Neugeborene zeigen häufig eine Atemform, die periodische Atmung genannt wird und nicht krankhaft ist. Die Atemtiefe und Frequenz nimmt zu und dann wieder ab. Kurze Atempausen mit einer Länge bis 10 Sekunden können auftreten und sind ebenfalls nicht krankhaft. Längere Atempausen - insbesondere mit "Blauwerden" oder extremer Blässe - können jedoch bedrohlich sein. Sie sollten in diesem Fall unbedingt einen Kinderarzt kontaktieren.
 
Sie erhalten bei der Entlassung von der Gebärstation einen Fragebogen, der sich mit dem Thema des plötzlichen Säuglingstodes beschäftigt. Füllen Sie diesen bitte aus und retournieren Sie ihn an die angegebene Adresse. Sollte ein Risiko entdeckt werden, werden Sie umgehend verständigt. Wenn Sie besorgniserregende Symptome beobachten, kontaktieren Sie Ihren Kinderarzt oder Hausarzt.
 
Fieber
Bei einem Säugling spricht man erst bei einer rektalen Temperatur von 38° C von Fieber. Beim Ohrthermometer sollte man drei Messungen hintereinander durchführen um einen sicheren Wert zu bekommen.
 
Bei Fieber sollte Ihr Kind nur leicht bekleidet sein, damit es zu keinem Hitzestau kommt. Sie sollten darauf achten, dass Ihr Kind ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Bei Schnupfen sollte die Nase am besten mit Kochsalztropfen aus der Apotheke durchgängig gemacht werden.
 
Bei jedem unklaren Fieber sollte der Kinderarzt oder Hausarzt aufgesucht werden!

Gelbsucht des Neugeborenen
In der ersten Lebenswoche bekommt fast jedes Baby eine Gelbsucht, die üblicherweise harmlos verläuft. Die Gelbsucht sollte jedoch bis zum 14. Lebenstag abgeklungen sein. Die beste vorbeugende Maßnahme ist frühzeitige ausreichende Nahrungszufuhr durch Stillen. Zufuhr von größeren Teemengen ist nicht von Nutzen und kann unterbleiben.
 
Wenn die Gelbsucht am ausgeprägtesten ist wird ihr Baby etwas müder sein und sie sollten es zum Stillen wecken. Diese Phase ist harmlos und geht vorüber. Bei voll gestillten Kindern kann die Gelbsucht über die ersten Lebenswochen hinaus dauern, ohne das dies krankhaft sein muss. Die Mutter kann weiter stillen.
 
Bei einer Gelbsucht nach der 2. Lebenswoche sollten sie aber in jedem Fall ihr Kind ihrem Kinderarzt oder Hausarzt vorstellen.
 

Sicherheit für Ihr Baby

 

Der Sturz vom Wickeltisch ist die häufigste Ursache von Kopfverletzungen im Säuglingsalter. Wickeltische sollen seitlich abgesichert sein. Der Säugling darf keine Sekunde auf dem Wickeltisch alleine gelassen werden.
Der sicherste Platz für den Krabbler ist der Boden. Im Auto ist der einzige Platz für ihr Baby der Kindersitz. Besonders gefährlich ist das fahrbare Laufwagerl. Von diesem Gerät wird absolut abgeraten, zumal es das Gehen lernen verzögert und beeinträchtigt.

Essen, trinken und tragen Sie nie etwas Heißes neben Ihrem Kind. Es könnte plötzlich danach greifen und sich verbrühen. Kontrollieren sie die Badetemperatur mit einem Badethermometer (36°C), da sonst ebenfalls die Gefahr der Verbrühung besteht. (Als Notfallmaßnahme kühlen Sie die betroffenen Hautstellen - auch mit Kleidung - sofort unter kaltem Wasser für mindestens 5-10 Minuten).

Je kleiner Ihr Kind ist, desto größer sollen die Spielsachen sein, da sonst die Gefahr des Verschluckens oder Erstickens besteht.

 

Ambulante Geburt und MKP-Untersuchung


Ambulante Geburt
Im Falle einer ambulanten Geburt sollte am 5. Lebenstag ebenso wie auf der Gebärstation eine Blutabnahme zum Stoffwechselscreening, sowie die zweite Gabe Vitamin K durchgeführt werden. Die 3. Gabe Vitamin K sollte in der 4.-6. Lebenswoche verabreicht werden.In der ersten Lebenswoche muß die 1. Mutter-Kind-Paß Untersuchung beim Kinderarzt oder Hausarzt durchgeführt werden.


MKP-Untersuchung
Suchen Sie bitte Ihren Kinderarzt/Hausarzt zu den vorgesehenen MKP-Untersuchungs- terminen auf (4.-6. Woche, 3.-5. Monat, 7.-9. Monat, 1 Jahr, und weitere). Er/Sie berät Sie über die überaus wichtigen Impfungen (siehe MKP-Impfplan). Fragen Sie nach dem Impfscheck. Es stehen Ihnen alle wichtigen Impfungen gratis zur Verfügung.
Letzte Aktualisierung: 21.10.2014