Herzkatheter

​Allgemeine Information

  

 

Herzkathetereingriffe werden  nicht nur zur erweiterten Diagnostik angeborener Herzfehler durchgeführt (diagnostische Herzkatheteruntersuchung). Vielmehr werden  in den letzten Jahren zunehmend gewisse angeborene Herzfehler mittels Herzkatheter behandelt (interventioneller Herzkatheter), sodass durch einen solchen Eingriff eine Herzoperation ersetzt werden kann.
 
Herzkathetereingriffe werden in jedem Lebensalter durchgeführt und sind in manchen Fällen bereits am ersten Lebenstag notwendig. Unser kleinster Patient hatte ein Gewicht von 950 Gramm. Unsere Abteilung verfügt über ein eigenes, modernes Herzkatheterlabor im 1. Untergeschoß der Kinderklinik, welches  speziell  für  das Kindesalter zugeschnitten ist, um die Röntgenstrahlenbelastung zu minimieren. An unserem Zentrum  werden jährlich zwischen 120 und 150 Herzkathetereingriffe durchgeführt, wobei die Zahl der interventionellen Herzkatheter überwiegt.
 
In unserem Zentrum ist bei jeder Herzkatheter-Untersuchung ein/e Narkosearzt/ärztin anwesend. In vielen Fällen ist eine sogenannte Analgosedierung (Schlaf- und Schmerzmittel bei normaler Atmung) ausreichend. Nur bei  sehr kleinen Kindern oder  bei sehr langen Eingriffen muss eine Allgemeinnarkose (inklusive Beatmung) durchgeführt werden.
 

 

Ablauf eines Herzkathetereingriffs

Terminvereinbarung:

Üblicherweise werden Sie im Rahmen einer ambulanten Kontrolle darüber informiert, dass bei Ihrem Kind eine Herzkatheteruntersuchung vorgesehen ist.  Es erfolgt eine erste Information durch den/die untersuchende/n Ambulanzarzt/ärztin über die Art des geplanten Eingriffs. Ein Informationsblatt wird Ihnen mitgegeben. Der Termin für die Untersuchung wird mit Ihnen abgestimmt, wobei  der Zeitpunkt  durch die Dringlichkeit des Eingriffs bestimmt wird. Spezielle Interventionen erfordern auch unsererseits manchmal eine Vorbereitungszeit, da sie genauestens geplant und vorbereitet werden müssen. An unserer Abteilung erfolgen Herzkatheter-Untersuchungen am Dienstag und am Donnerstag, in Notfällen steht das Herzkatheterlabor selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Die stationäre Aufnahme erfolgt am Vortag der Herzkatheter-Untersuchung. Nur Patienten mit oraler Antikoagulation („Blutverdünnung“ mit  Marcoumar®, Sintrom®) müssen 2-3 Tage früher aufgenommen werden, um die „Blutverdünnung“ auf ein anderes Medikament (Heparin intravenös) umzustellen. Unsere Patienten sollten zu diesem Zeitpunkt keinen Infekt haben. Falls Ihr Kind kurz vor der geplanten Untersuchung krank wird, bitten wir Sie, sich telefonisch bei uns zu melden, um den Termin zu verschieben.
 

Tag der stationären Aufnahme

Wir bitten Sie, sich bis spätestens 10.00 an unserer Ambulanz anzumelden, um alle notwendige Voruntersuchungen und organisatorischen Angelegenheiten stressfrei und gründlich durchführen zu können. Auf der kardiologischen Station werden Ihr  Kind und Sie im reservierten Zimmer aufgenommen. Folgende Voruntersuchungen sind erforderlich:

 

  • Blutabnahme inklusive Venenzugang
  • EKG
  • Echokardiographie( Herz-Ultraschall)
  • Evtl. Ultraschalluntersuchung der Gefäße, die punktiert werden sollen

 

Aufklärungsgespräch:

Meist am  frühen Nachmittag des Aufnahmetages erfolgt ein ausführliches Aufklärungsgespräch durch den(die) Herzkatheterarzt/ärztin. Es wird über den Herzfehler, die Art und Ziele des Eingriffs sowie über bestehende Risiken und etwaige Komplikationen genauestens informiert. Zeichnungen und Zeigen der verschiedenen Katheter oder Implantate unterstützen die Aufklärung, damit sämtliche für Sie noch offene Fragen  vor dem Eingriff geklärt sind.

Das Narkose-Aufklärungsgespräch führt der/die zuständige Anästhesist/in meist im Anschluss durch. Bitte vergessen Sie nicht Allergien Ihres Kindes oder das Auftreten von etwaigen Komplikationen bei zurückliegenden Narkosen zu erwähnen. Alle Fragen zu Art der Narkose, möglicher Risiken oder Komplikationen der Narkose werden Ihnen in diesem Gespräch beantwortet, ebenso praktische Fragen wie zum Beispiel bis zu welchem Zeitpunkt vor der Untersuchung Sie Ihrem Kind eine Mahlzeit anbieten dürfen.

Als Erziehungsberechtigte ist Ihre Zustimmung zur Herzkatheter-Untersuchung, natürlich nach ausführlicher Information, nötig. Wenn Ihr Kind bereits älter als 14 Jahre ist, muss auch Ihr Kind selbst zustimmen.

 

Tag des Herzkathetereingriffs

Bei mehreren Patienten an einem Tag erfolgt die Reihung nach Alter und Schwere des Eingriffs, wobei kleine Kinder vor älteren gereiht werden.

Für die Herzkatheter-Untersuchung muss Ihr Kind etwa 4 Stunden vor dem geplanten Eingriff nüchtern sein. Eventuell wird Ihrem Kind während der Nüchternphase vor dem Eingriff  eine Infusion verabreicht, damit Ihr Kind nicht durstig wird.

Kurz vor der Untersuchung wird dem/der PatientIn ein Beruhigungsmittel verabreicht, um jede Angst und Aufregung zu vermeiden.  Beim Transport von der Kardiologischen Station in unser Herzkatheterlabor können Sie Ihr Kind bis zur Übernahme durch den/die Narkosearzt/ärztin begleiten.

Während des Eingriffs liegt der Patient/die Patientin am Rücken auf einer Wärmematte. Es werden ein EKG, eine Messung der  Sauerstoffsättigung und eine Blutdruckmanschette zur  genauen Überwachung während des Eingriffs angelegt. Die meisten Patienten erhalten vom Narkosearzt/von der Narkoseärztin lediglich ein Beruhigungs- und Schlafmedikament, damit das Kind bei eigener Atmung tief schläft und keinerlei Schmerzen verspürt.  Zusätzlich erfolgt eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) an der Punktionsstelle in der Leiste. Nur in Ausnahmen erfolgt eine Vollnarkose mit Beatmung.

Die Dauer des Eingriffs ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab, wie Form des Herzfehlers, Art des Eingriffs (diagnostischer  oder interventioneller Herzkatheter) oder Alter des/der Patienten/in usw. Die Gesamtdauer mit den Vorbereitungen liegt zwischen 1 und 4 Stunden.

Während und nach dem Eingriff wird allen PatientInnen  ein  „blutverdünnendes“ Medikament (Heparin) kontinuierlich über einen Venenzugang verabreicht, um eine Gerinnselbildung (Thrombose) zu vermeiden. Diese Infusion wird in aller Regel am Morgen des nächsten Tages beendet.

Am Ende des Eingriffs wird im Bereich der Einstichstellen in der Leiste ein Druckverband angelegt. In Begleitung eines Arztes/einer Ärztin und einer Krankenschwester werden die  Patienten meist noch schlafend an die kardiologische Station zurückgebracht. Selbstverständlich können die Eltern auch diesen Rücktransport begleiten. Nur bei manchen Patienten, die für die Untersuchung eine längere Allgemeinnarkose benötigten, ist manchmal ein Aufenthalt an unserer Intensivstation über einige Stunden nötig, um von der Beatmung entwöhnt zu werden. Meist werden diese Patienten am Abend oder spätestens am Morgen des nächsten Tages wieder an die Kardiologische Station transferiert.

Nach der Übernahme an die Kardiologische Station wird eine Blutbild- und Blutgas-Kontrolle (Fingerstich) durchgeführt. Das Kind wird mittels Pulsoxymetrie, EKG, Puls- und Blutdruck-Kontrollen kontinuierlich überwacht. Zumindest während der ersten Stunden nach der Untersuchung ist Unruhe und zu viel Bewegung in den Hüften (Einstichstellen) zu vermeiden. Bei sehr unruhigen Kindern wird ein Medikament zur Beruhigung gegeben. Bettruhe muss bis zum nächsten Morgen eingehalten werden. In den ersten Stunden wird noch eine Infusion angehängt, bis der Patient/die Patientin nach vollständigem Erwachen wieder essen und trinken darf.

Auf jeden Fall werden Sie noch am Tag der Untersuchung über die Ergebnisse und den Verlauf des Eingriffs und über das weitere Vorgehen durch den Arzt/die Ärztin informiert.

 

Tag nach dem Herzkathetereingriff

Am Morgen kann üblicherweise die Infusion zur „Blutverdünnung“ beendet werden.  Der Druckverband wird entfernt und durch ein Pflaster  ersetzt. Ihr Kind kann nun aufstehen. Nach diagnostischen Herzkatheter-Untersuchungen erfolgt die Entlassung am gleichen Tag (um die Mittagszeit). Nach interventionellen Herzkathetereingriffen werden meistens ein Herzultraschall und eventuell ein Röntgenbild durchgeführt. Ihr Kind bleibt zur Beobachtung noch einen Tag länger stationär.

In den ersten Tagen nach dem Herzkathetereingriff sollten die Patienten keinen Sport betreiben, damit die Punktionsstellen abheilen können. Über weitere Verhaltensmaßnahmen,  Behandlungen und Kontrollen werden die Eltern bzw. die Patienten in einem Entlassungsgespräch ausführlich informiert. Kontrolltermine  in der kardiologischen Ambulanz werden mit den Eltern vereinbart. Der abschließende Befundbericht an den nachbetreuenden Haus- oder Kinderarzt wird auch den Eltern mitgegeben.

 

Team:

Ärzte:
Univ.-Prof. Dr. A. Gamillscheg (Leiter), OA Dr. T. Rehak, OA Dr. B. Nagel

Radiologietechnologinnen:
RT B. Eisner, MBA (Leitung),  RT E. Brunner, RT M. Kirschbaum

Diplomkinderkrankenschwestern:
DKKS Michaela Ornig, DKKS Edith Resch

PflegehelferInnen:
Franz Gürtl,  Lieselotte Seles

 

Letzte Aktualisierung: 19.02.2015